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Franz-Marc-Gymnasium

Gedenken, Verantwortung und Haltung

Veröffentlicht am 4. Februar 2026

Veranstaltungen

Zentrale Gedenkveranstaltung am Franz-Marc-Gymnasium

Am 27. Januar richtete das Franz-Marc-Gymnasium Markt Schwaben die zentrale Gedenkveranstaltung des Landkreises Ebersberg zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus aus.

popp_redeIn seiner eindrucksvollen und nachdenklichen Rede spannte der Schulleiter Peter Popp zu Beginn der Veranstaltung einen weiten Bogen von der Geschichte der nationalsozialistischen Kulturpolitik bis zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Herr Popp erinnerte daran, dass die nationalsozialistischen Verbrechen nicht irgendwo fernab geschahen, sondern auch ganz in unserer Nähe. Bereits wenige Monate nach der Machtübernahme wurden Konzentrationslager errichtet, darunter Dachau mit Außenlagern im Landkreis Ebersberg und in Markt Schwaben selbst. Dieses Wissen verdeutliche, so seine Mahnung, dass Unrecht mitten in der Gesellschaft entstehen kann – dort, wo Menschen wegschauen, schweigen oder sich anpassen.
Deutlich warnte der Schulleiter vor aktuellen Entwicklungen: vor dem Wiedererstarken rechter Rhetorik, vor Angriffen auf die Kunstfreiheit, vor Antisemitismus und vor einer gefährlichen Gleichgültigkeit in Teilen der Gesellschaft. Neutralität, so seine klare Position, sei dort fehl am Platz, wo die Würde des Menschen infrage gestellt werde. Verantwortung bedeute, Haltung zu zeigen, frühzeitig zu widersprechen und demokratische Grundwerte aktiv zu verteidigen.

landrat_redeAuch der Landrat des Landkreises Ebersberg Robert Niedergesäß unterstrich in seinem Grußwort, wie wichtig eine lebendige Erinnerungskultur gerade auf lokaler Ebene sei. Gedenken dürfe sich nicht auf historische Rückblicke beschränken, sondern müsse immer auch den Blick auf die Gegenwart richten. Er würdigte das Engagement der Schule und der beteiligten Schülerinnen und Schüler ausdrücklich und betonte, dass demokratische Werte, Menschenwürde und Zivilcourage nur dann Bestand hätten, wenn sie immer wieder neu vermittelt und verteidigt würden. Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Schulen sowie viele Schülerinnen und Schüler waren der Einladung gefolgt, um gemeinsam an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors zu erinnern und Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft zu bekräftigen.

Den zentralen Bestandteil der Gedenkveranstaltung bildete die eindrucksvolle Darbietung von Schülerinnen und Schülern des Leistungsfachs Geschichte sowie des Arbeitskreises Politik und Zeitgeschichte unter der Leitung von Frau Niedermaier-Fertig mit der wertvollen Unterstützung durch Geschichtslehrer Luca Sattelmayer, die sich intensiv mit dem Schicksal von Arnold Wachtel auseinandergesetzt hatten, der nach Kriegsende in Markt Schwaben ansässig wurde. In ihrer Aufarbeitung rückten sie bewusst ein individuelles Lebensschicksal in den Mittelpunkt und machten damit erfahrbar, was die abstrakten Zahlen der nationalsozialistischen Verbrechen konkret und unmittelbar vor Ort bedeuten. Anhand historischer Quellen, biografischer Daten und zeitgenössischer Dokumente zeichneten die Schülerinnen und Schüler den Lebensweg Arnold Wachtels nach. Dieser wurde unmittelbar nach Kriegsbeginn von Berlin in das KZ Sachsenhausen-Oranienburg deportiert und überlebte in der Folge die Konzentrationslager Auschwitz, Warschau und letztendlich auch das zum Lagerkomplex Dachau gehörige KZ-Außenlager Mühldorf. Die Schülerinnen und Schüler zeichneten seinen Leidens- aber auch seinen Lebensweg in Form einer szenische Lesung, basierend auf dem Briefwechsel mit seinem Bruder Leo, nach und schufen Raum für Nachdenklichkeit und Betroffenheit. Gerade diese persönliche Annäherung an ein einzelnes Schicksal verlieh der Gedenkveranstaltung eine besondere Tiefe und führte vielen Anwesenden vor Augen, dass das nationalsozialistische Unrecht nicht anonym, sondern ganz konkret und auch in unserer Region wirksam war.
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Die von den Schülerinnen und Schülern des Leistungsfachs Geschichte sowie des AK Politik und Zeitgeschichte mit Unterstützung der beiden Lehrkräfte (Niedermaier-Fertig und Sattelmayer) inszenierte Darbietung schlug damit eine eindrucksvolle Brücke zu den Gedanken des Schulleiters: Erinnern bedeutet, Einzelschicksale sichtbar zu machen und aus der Geschichte Verantwortung für das eigene Handeln in der Gegenwart abzuleiten. Diesen Gedanken aufgreifend, luden die Schülerinnen und Schüler die anwesenden Gäste abschließend ein, sich die über viele Jahre hinweg mit Unterstützung der Stiftung Weiße Rose e.V. München erarbeitete mehrteilige Ausstellung „Vergessener Widerstand“ im nebengelegenen Foyer anzusehen. Diese wurde im Rahmen der Gedenkveranstaltung durch eine neue, dem Leben Arnold Wachtels gewidmete Tafel ergänzt. Während die bisherigen Ausstellungstafeln hauptsächlich über Widerstand, Resistenz und Verweigerung von Menschen aus dem Landkreis Ebersberg, vornehmlich in Markt Schwaben und Umgebung, in den Jahren 1933 – 1945 informierten, wollten die aktuell am Projekt beteiligten Schülerinnen und Schüler, wissend, dass es neben diesen mutigen Menschen auch Täter und Möglichmacher der NS-Diktatur gab, den Blick der Ausstellung weiten. So bekundeten sie ihre dringende Absicht, das schon so lange bestehende Schülerprojekt weiterzuführen und so dem Vergessen Widerstand zu leisten! Diesem Vorsatz entsprechend präsentierten sie auch den neuen, etwas modifizierten Titel des Projekts Widerstand! – Gegen das Vergessen. Opfer, Täter, Widerständler. Markt Schwaben und Umgebung im NS.


Die Gedenkveranstaltung wurde durch musikalische Beiträge unter der Leitung von Frau Rumpler und Frau Kurz sowie das Engagement vieler Schülerinnen und Schüler wirkungsvoll umrahmt. So wurde von der gesamten Schulfamilie ein starkes Zeichen dafür gesetzt, dass Erinnern, Verantwortung und Zivilcourage feste Bestandteile des Schullebens am Franz-Marc-Gymnasiums sind und insgesamt das Bewusstsein unterstrichen, dass aus dem Erinnern von heute die Verantwortung und das Handeln von morgen erwächst.